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Mondblindheit

"Mondblindheit" - so wird im Volksmund noch immer die Periodische Augenentzündung genannt. Ganz unromantisch handelt es sich hierbei um die problematischte Augenentzündung bei Pferden überhaupt und galt früher als Hauptmangel beim Verkauf eines Pferdes. Man versteht darunter einen Augenentzündungsprozess, der sich in der mittleren Augenhaut abspielt und - wie der Name Periodische Augententzündung schon sagt, tendenziell immer wiederkehrt.

Wer erkrankt?
In der Hauptsache sind junge Pferde zwischen drei und sieben Jahren betroffen, aber auch ältere Tiere können noch erkranken.

Woran ist die Erkrankung zu erkennen?
Als Besitzer eines an Mondblindheit erkrankenden Pferdes fällt Ihnen zunächst die Lichtscheue des Tieres auf, gepaart mit Tränenfluss und starker, schmerzhafter Bindehautentzündung. Die Lider fühlen sich wärmer an, als normaerweise und vom Rand her setzt ein Trübung der Hornhaut ein. Diese Symptome steigern sich in den kommenden Tagen deutlich, es kommt zur allgemeinen Trübung des Auges mit Irisverfärbungen und teilweise sogar zu blutigen Ergüssen in der vorderen Augenkammer. Die Pupille ist klein, ihre Reaktion verzögert. Das erkrankte Pferd kann abgeschlagen und appetitlos wirken - eine Erhöhung der Körpertemperatur um 0,5-1 °C ist möglich. Nach einigen Tagen erreichen die entzündlichen Erscheinungen ihren Höhepunkt um dann langsam über einen Zeitraum von zwei biss drei Wochen abzuklingen. zunächst wirkt das Pferd dann wieder gesund.

Wie verhalten Sie sich als Besitzer?
Es ist sehr wichtig, das erkrankte Pferd tierärztlich behandeln zu lassen. Es müssen mehrmals täglich Augensalben angewendet werden, die je nach Untersuchungsbefund Antibiotika, Atropin und/oder Cortison enthalten. Der Tierarzt wird versuchen, auf verschiedenen Wegen die Entzündung massiv einzudämmen. Auch andere Therapieformen können angewendet werden, wie z.B. die chirurgische Entfernung eingetrübter Glaskörperpartien aus dem Auge. Ganz wichtig ist es, den Patienten während der Erkrankung aufzustallen, um das befallene Auge vor starker Lichteinstrahlung oder Insekten zu schützen.

Ist Mondblindheit heilbar?
Bis zum nächsten Anfall können vier bis sechs Wochen, einige Monate oder ein Jahr vergehen. Die folgenden Anfälle sind meist weniger heftig, aber genauso behandlungsbedürftig. Je nach Stärke und Häufigkeit der Entzündungsschübe bleiben in den Augen mehr oder weniger ausgeprägte Veränderungen, sichtbar als wolkige Eintrübungen, zürück. In seltenen Fällen kann Mondblindheit geheilt werden, meistens ist mit immer neuen Entzündungsschüben bis zur völligen Erblindung zu rechnen. Nicht selten wird nach Erblindung eines Auges schliesslich das noch Gesunde befallen, bis das Pferd vollkommen blind ist.

Erfahrungsbericht
Seit 10 Jahren keine Neuerkrankungen mehr - Bilanz unserer Fütterungsumstellung in Rutenmühle im Jahr 2001. Weil immer wieder Tiere eines Bestandes oder einer Zucht an Periodischer Augenentzündung erkrankten, waren Tierärzte und Halter früher noch der Meinung, die Neigung zur Mondblindheit sei erblich. In Wahrheit waren die Krankheitsursachen in der Fütterung zu suchen.

In Rutenmühle hatten wir - wie viele andere Betriebe auch - einen Kraftfuttersilo auf dem Heuboden, der nach der Befüllung durch ein Spezialfahrzeug nur unzulänglich mit einer Abdeckung versehen wurde. Da wir ausserdem noch mit Stroheinstreu gearbeitet haben, hatten Ratten und Mäuse gute Unterschlupfmöglichkeiten und konnten sich nach Belieben im Futtersilo tummeln und dort natürlich auch “äppeln”.

Die abendliche Ansitzjagd auf Ratten und Mäuse im leeren Stall war ein beliebter Jungjäger-Sport. Ausserdem wurden die Pferde mit Heu gefüttert, das auf dem Heuboden gestapelt lag und gleichfalls als Brut- und Niststätte der Rutenmühler Mäusepopulation gedient hat.

1991 wurde uns bekannt, dass Leptospieren, vorhanden im Ratten- und Mäusekot, als Verursacher der Mondblindheit entdeckt worden waren. Da unsere Fohlen im ersten Winter täglich mit Kraftfutter gefüttert wurden, sorgten wir also unwissentlich für Ansteckung einiger Tiere.

Folgende Massnahmen haben wir ergriffen:

Der Erfolg gibt uns recht. Unser einäugiger Helmingur war 1991 das letzte Opfer der Periodischen Augenentzündung.

Autorin: Regine Diepold

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