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Infektionen des Atmungsapparates

1. Influenza

Die Influenza auch Hoppegartener Husten, Pferdegrippe oder infektiöse Bronchitis genannt, ist eine hochansteckende, fieberhafte Erkrankung, die unter den Symptomen einer katarrhalischen Entzündung der gesamten Atemorgane mit kräftigem, trockenem und schmerzhaftem Husten verläuft. Sie befällt Pferde jeden Alters und ist auf der ganzen Welt verbreitet. Der Erreger ist das Influenzavirus A equi 1 und 2. Die beiden Virustypen unterscheiden sich in der Schwere der ausgelösten Erkrankung. Allgemein kann gesagt werden, dass die Infektion mit dem A 1 Typ einen leichteren Krankheitsverlauf nach sich zieht. Typisch für die Influenza ist die extrem kurze Inkubationszeit von 1 bis 3 Tagen. Kommt ein erkranktes pferd in einen nicht immunen Bestand, so breitet sich die Krankheit innerhalbweniger Tage auf bis zu 100% der Tiere aus. Mit dem massiven Husten, durch den die Tröpfchen bis zu 35 m weit versprüht werden, wird das Virus auf die anderen Pferde übertragen (Tröpfcheninfektion). Eintrittsorte sind die Nasenschleimhaut und gesamten Atemwege.

Symptome:
Die Krankheit beginnt mit Mattigkeit und hohem Fieber (29°-41°C, nach A equi 2 Infektionen bis 42°C), das in der Regel nach 1 bis 3 Tagen wieder fällt. Die sichtbaren Schleimhäute sind gerötet, es besteht zu Anfang klarer Nasenausfluss, die Kehlgangs- und Kieferlymphknoten sind leicht geschwollen und druckempfindlich. Die Pferde husten während der ersten 2-3 Tage trocken, hart und schmerzhaft. Danach nimmt die Hustenfrequenz rapide ab, der Husten wird feucht und flach.

Ohne Komplikationen durch eine bakterielle Infektion hört der Husten nach 2-3 Wochen auf. Ursache des Hustens ist ein entzündlicher Prozess aller Gewebe des Atmungstraktes mit Hauptlokalisation in der Lunge (untere Atemwege). Nach Überstandener Erkrankung besteht eine, ca. 1 Jahr lang belastbare, Immunität, allerdings nur für den selben Erregertyp. Kommt es nach überstandener A equi 1 Infektion zu einer Ansteckung mit A equi 2, so können die Pferde in einem Jahr auch zweimal erkranken. Mutterstuten geben ihre Antikörper über die Kolostralmilch an ihre Fohlen weiter.

Komplikationen:
Durch bakterielle Sekundarinfektionen (z.B. mit Streptokokken) kann es zu einer eitrigen Bronchitis und Bronchopneumie kommen mit folgenden Symptomen: dauernd erhöhte Körpertemperatur, eitriger Nasenausfluss, Appetitlosigkeit, Apathie, Muskelzittern. Werden die Pferde zu früh nach der Erkrankung wieder geritten, kann es zu chronischem Husten mit Lungenemphysem kommen.

Therapie:
Die Therapie besteht in der sofortigen Ruhigstellung der Tiere mit mindestens 5-tägigem Antibiotikaschutz, um Sekundärinfektionen zu vermeiden. Nach der Entfieberung sollten die Pferde noch ca. 3 Wochen nicht geritten werden, um eine chronische Bronchitis zu verhindern. In der Erholungsphase spielen, neben der Ruhe, die Haltungs- und Fütterungsbefindungen eine entscheidende Rolle: frische Luft, hochwertiges, staubfreies Futter sowie regelmässige Entwurmungen sind günstige Faktoren. Mangelnde Stallhygiene, stickige Luft, schimmeliges Heu und schlechter Allgemeinzustand können chronische Lungenschäden nach sich ziehen. Da die meissten Islandpferde robust, also auf der Weide oder im Offenstall und Auslauf, gehalten werden, sind sie im Vorteil gegenüber Boxenpferden: Silagefütterung ist ebenfalls günstiger als Heu.


2. Infektionen mit Reoviren und Rhinoviren

Diese Virusarten können sowohl für sich allein pferde infizieren als auch mit anderen Viren in Form sogenannter Mischinfektionen zu einer Erkrankung führen. Die Übertragung dieser viren geschieht vorwiegend durch direkten Kontakt über die Atemwege. Ebenso ist aber auch die Virusverbfeitung durch Wasser (Tränke) oder virustragende Vektoren (Kleidung, Putzzeug) möglich.

a) bei der Reovirusinfektion
besteht die Möglichkeit, dass infizierte Menschen ihre Pferde anstecken, ebenso ist der umgekehrte Infektionsweg nachgewiesen. Diese Infektion führt zu einem Katarrh der oberen Luftwege ohne Beteiligung der Lunge.

Die Körpertemperatur steigt auf maximal 39°C. Die Pferde sind lustlos, zeigen gestörte Futteraufnahme und eine Entzündung im Kehlkopf- und Rachenraum. Die Schleimhäute schwellen in diesem Bereich an, dadurch kommt es zu Atemnot, Atemgeräuschen und Nasenausfluss. Gelegentlich sind die Lidbindehäute entzündet. Der Husten im Gefolge dieser Infektion entsteht aufgrund der Reizung der Schleimhäute der oberen Atemwege. Er kann spontan auftreten oder durch Druck auf den Kehlkopf ausgelöst werden. Die unteren Atemwege (Lunge) sind nur betroffen, wenn es zu bakteriellen Sekundarinfektionen kommt.

b) die Rhinovirusinfektion
verläuft unter den Symptomen eines milden Katarrhs der oberen Luftwege mit serösem Nasenausfluss. Nach einer Inkubationszeit von 3-8 Tagen kommt es zu einer schleimigen bis schleimig-eitrigen Entzündung der Rachenschleimhaut, verbunden mit Appetitlosigkeit und feuchtem Husten. gegen Ende der ersten Erkrankungswoche kann es zu einem Anstieg der Körpertemperatur bis 39°C kommen, in seltenen Fällen bis zu 40°C. Die Fieberphase kann 4-5 Tage dauern. Beim Menschen können equine Rhinoviren eine fieberhafte Rachenentzündung erzeugen. Bei Reo- wie auch Rhinovirusinfektionen können Pferde die viren übertragen, ohne selbst klinisch zu erkranken.

Prophylaxe:
Bei allen 3 beschriebenen Virusinfektionen gibt es eine wirksame Vorbeugung durch eine Schutzimpfung mit Kombinationsvaccinen, die in interaktivierterer Form neben veschiedenen Serotypen von Reo- und Pferdeinfluenzaviren auch Herpesviren enthalten, welche Rhinopneumonitis (Virusabort) verursachen. Bei diesen Impfstoffen, wie z.B. Resequin, ist die wesentliche Vorraussetzung für einen dauerhaften Impfschutz die strikte Einhaltung der Impftermine: Grundimmunisierung nach dem 4. Lebensmonat, bestehend aus 2 Impfungen im Abstand von 6 Wochen, dann Auffrischimpfungen im Abstand von 9 Monaten. Ein hundertprozentiger Schutz vor Erkrankung ist durch die Impfung nicht gewährleistet, die Krankheit verläuft aber auf jeden Fall milder. In grösseren islandpferdebeständen ist die Impfung aller Pferde wünschenswert, für Turnierpferde ist sie sowieso vorgeschrieben. Zur Vermeidung von Virusinfektionen sollten nur Pferde mit ordnungsgemäss durchgeführter Schutzimpfung eingestellt werden. Andernfalls sind Quarantänemassnahmen erforderlich.

Autorin: Dr. Marie-Luise Neurand

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