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Eintölten

Interview mit Marlise Grimm

Paddock: Ab welchem Zeitpunkt der Ausbildung beginnst Du bei einem jungen Viergänger mit dem Eintölten?
Marlise Grimm: Das kommt darauf an, wieviel Töltveranlagung der junge Viergänger hat. Viergänger mit eher guter Töltveranlagung, die gelegentlich schon etwas Tölt zeigen, tölte ich eigentlich schon bald, - immer dann, wenn sie es anbieten. Zum Beispiel auf dem Heimweg, bei Übergängen aus dem Galopp oder auch wenn sie ein bißchen aufgeregt sind. Dabei bin ich mit ganz kurzen Strecken in ihrem Lieblingstempo zufrieden.

Bei den Viergängern, die sehr viel Trab haben und sich selten oder nie in den Tölt verirren, ist es wichtig, daß sie folgende Vorraussetzungen erfüllen, bevor man mit dem Tölttraining beginnt: Fleißiges, freies Vorwärtsgehen, leichte losgelassene Reaktion auf treibende und verhaltende Hilfen, auch bei gleichzeitigem Einsatz, sicheres Annehmen der verwahrenden Hilfen, geraderichten (Rückwärtsrichten, Schenkelweichen), fehlerfreie Anlehnung mit weichem Nachgeben. Bei ziemlich "dreigängigen" Pferden, ist es wichtig, daß man sich nicht zuviel Zeit läßt, mit dem Tölten zu beginnen. Je länger es im Trab, vielleicht noch auf der Vorhand, gelaufen ist, desto schwerer fällt es ihm, im Tölt das Gleichgewicht zu finden. Eine besonders sorgfältige Grundausbildung plus viel Spaß am Vorwärtsgehen sind extrem wichtig, damit es später kein "durchgebrochener", häßlicher und unangenehm zu reitender Tölter wird.

Paddock: Mit welchen reiterlichen Techniken schulst Du das Pferd?
Marlise Grimm: Die Hilfengebung ist eigentlich immer gleich: ich treibe das Pferd gegen den Zügel und bringe es dadurch in den Viertakt. Wie genau es für jedes einzelne Pferd paßt, ob man mit kurzen Paraden und impulsartigem Treiben oder mit "Gummibandanlehnung" und stetigem Treiben besser durchkommt, muß man herausfinden. Wichtig ist, daß man merkt, wieviel Druck das Pferd braucht und daß man es immer leicht in der Hand hält. Mein Leitsatz ist "sowenig wie möglich und soviel wie nötig". Extrem wichtig ist auch, viel zu loben und dem Pferd zu zeigen, daß es mich richtig verstanden hat.Manchmal ist das Eintölten von Trabfans eine knifflige Angelegenheit, man muß konsequent und geduldig sein und versuchen,optimale Vorraussetzungen zu schaffen: die passende Ausrüstung, Pferd hat Kraft und Pep, ist aber genügend durchlässig, der richtige Untergrund, das optimale Tempo... Ich achte sehr darauf, daß die Pferde nicht in Streß geraten und sich immer nach einer Töltstrecke gut entspannen. Wenn man es schafft, das Pferd nicht zu überfordern und bei Laune zu halten, vermeidet man den "Verspannungspaß", der ziemlich lästig sein kann und oft auch schwierig zu korrigieren ist. Allerdings erlaube ich nie, daß die Pferde Trabtölt gehen. Falls ich es nicht schaffe, sie taktklar zu reiten, muß der Schmied mit dem System "hinten schwer - vorne leicht" mithelfen. Das ist schonend für Pferd und Trainer und schadet für einen kurzen Trainingszeitraum überhaupt nicht.

Paddock: Wenn es sich um ein Berittpferd handelt, benötigt auch der reitende Besitzer des Pferdes häufig vorbereitenden Unterricht, um sein Pferd nach abgeschlossener Ausbildung korrekt in den Gängen reiten zu können. Wie baust Du diesen speziellen Reitunterricht auf ?
Marlise Grimm: Am einfachsten ist es, wenn man einen weichen Übergang zwischen Beritt, Unterricht und selbstständigem Reiten des Besitzers schaffen kann. Zum Beispiel funktioniert es sehr gut, wenn der Besitzer am Ende des Trainings schon einmal zuschaut, wie ich das Pferd reite. Dann nimmt er Einzelstunden und ich reite das Pferd an den übrigen Tagen noch weite. Zum Schluß reitet der Besitzer nach einem abgesprochenen Plan und nimmt immer mal wieder Unterricht oder ich reite das ferd ab und zu, wenn es ein Problem gibt. Natürlich ist dieses System etwas aufwendig und nicht immer machbar. Man kann es auch sinngemäß auf ein paar Tage oder zwei Wochenenden anwenden, wenn Pferd und Reiter keine besonderen Probleme haben. Im Unterricht achte ich darauf, daß der Reiter einfache Grundübungen wie korrektes Antölten und kurze Strecken ganz exakt ausführt und genau lernt wie sich der gelöste taktklare Tölt anfühlen muß. Eventuell reite ich das Pferd vorher kurz, damit er es leichter hat. Manchmal hilft es auch, den Reiter einmal ein ähnlich zu töltendes, aber erfahrenes Pferd reiten zu lassen. Je weniger am Anfang falsch läuft, desto besser für Pferd und Reiter. Es ist sehr wichtig, das der Reiter genau versteht, worauf er achten muß und daß er mit den Dingen beginnt, die dem Pferd leicht fallen und die es vom Beritt her kennt. Später, wenn die Harmonie stimmt, kommt die längere Strecke, das schnellere Tempo, die bessere Bewegung und Haltung von selbst. Wenn das Pferd überfordert wird und der Reiter unerfahren ist, gibt es Frust für beide und das ist schade.Es gibt schon zuviele Reiter und Pferde mit Töltproblemem, oder?

Paddock: Vielen Dank, Marlise!

 

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