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Schadet es meinem Reitpferd, gefahren zu werden?
Islandpferdereiter stehen dem neuen Trend, sein Pferd auch anzuspannen, oft noch mit sehr viel Skepsis gegenüber. Selbst aus den Reihen routinierter Kutscher hört man: "Was, Isländer fahren Sie? Ich dachte, die kann man gar nicht fahren.."
Man kann das sehr gut! Es ist jedes Mal ein sehr schönes Erlebnis, sein gut ausgebildetes Reitpferd auch anzuspannen und eine Tour mit Familie oder Freunden in die Umgebung zu unternehmen. Wer Islandpferde mit ihrem fröhlichen, freundlichen Temperament und Gehwillen kennt, wird das auch vor dem Wagen sehr zu schätzen wissen.
Vorteile des Fahrens eines Reitpferdes sind, dass sich durch Fahren Kraft, Kondition und Selbstsicherheit Ihres Pferdes verbessern lassen. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass der Fahrer und zuvor der Fahrtrainer die Gänge des Einfahrpferdes genau unterscheiden können.
Jeder Isländer, der auch über Trab verfügt - sei er auch noch so wacklig, kann vor dem Wagen gehen. Probempferde, die unter dem Sattel schon mal durchgehen oder durch andere unangenehme Aktionen ihren Reitern den Schweiss auf die Stirn treiben, lernen es meistens, gelassen und vernünftig vor dem Wagen zu gehen und werden zuverlässige Fahrpferde.
Für Pferde mit Trabproblemen ist Fahren ein sicherer und schneller Weg, den Gang zu stabilisieren. Hierbei kann man das Gangpferd zunächst in gewohnter Weise mit Gewichten, z.B. Ballenboots und vorne schwereren Eisen mit Einlagen, unterstützten.
Pferde, für die das Fahren noch ungewohnt ist, verspannten sich bei den ersten Ausfahrten leichter zum Tölt hin, das gibt sich aber meistens schnell, wenn das Fahrpferd gelassener geworden ist.
Pferde, die auch freilaufend nicht traben können, müssen mit besonderer Aufmerksamkeit gefahren werden. Tölt ist im Zug sehr kräftezehrend, denn es ist eine "schwunglose" Gangart - Ihr Pferd hat immer mindestens ein Bein auf dem Boden. Wenn Ihr Naturtölter nicht in den Trab ausweichen kann, besteht durchaus die Gefahr, dass der Tölt-Viertakt sich auf längeren, ermüdenden Strecken hin zum Pass verschiebt, ein unerwünschter Effekt. Hier ist es besonders wichtig darauf zu achten, dass das Pferd auf kurzen Strecken ermüdungsfrei gefahren wird - sehr schick ist das natürlich bei Schauen, um den Zuschauern die Natürlichkeit der Gangveranlagung zu präsentieren.
Geht Ihr Reitpferd ohnehin nur noch Pass, kann es durchaus sein, dass es sich vor dem Wagen löst und wieder zu traben beginnt. Auch hier kann man den Trab dadurch unterstützen, dass das Fahrpferd vorne schwerer als hinten beschlagen wird, evtl. eine Polstereinlage zusätzlich bekommt und ggf. vorübergehend Gewichte angeschnallt werden. Von der neuen Lockerheit profitieren Sie als Reiter auch in den anderen Gängen.
Was tun, wenn Ihre zwei Reitpferde völlig unterschiedliche Ganglagen haben und gemeinsam zweispännig nicht sicher traben können? Hier hilft es, die Pferde einige Zeit einspännig zu fahren - so lange, bis der Trab sicher kommt und auch eine gewisse Variationsbreite hinsichtlich der Geschwindigkeit bietet. Spannt man die Pferde dann zusammen, wird man ein Tempo, das beide Pferde im Trab gehen können, herausfinden und von hier aus das Training weiter aufbauen.
