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Islandpferde einfahren
Ihr Isländer ist als Reitpferd normalerweise an die Sattelung mit Schweifriemen gewöhnt und erinnert sich mehr oder weniger an Elemente der Bodenarbeit – das heißt nun aber nicht, daß Sie nun gleich ein Geschirr auflegen, eine Kutsche hinter das Pferd hängen und losfahren können! Was können Sie also tun, ohne grundlegende Fehler zu machen und sich und andere in Gefahr zu bringen?
Der erste Schritt ist, das Pferd ans Geschirr zu gewöhnen. Die Zugstränge werden z.B. mit zwei Führstricken soweit verlängert, daß Ihr Pferd Sie nicht treffen kann, falls es ausschlägt – denn Sie halten nun die Strangenden in je einer Hand und probieren aus, wie Ihr Pferd auf den Kontakt mit den ungewohnten Strängen an den Hinterbeinen reagiert. Wenn das am Anbinder gut klappt, führt ein Helfer das Pferd am Führstrick, der über eine Longierbrille an den Gebißringen des Reithalfters befestigt ist. Sie selbst markieren durch Ihr Gewicht eine angehängte Last und merken, ob Ihr Pferd den Druck auf seiner Brust akzeptiert und willig zieht.
Beruhigendes Reden und viel Lob werden dazu führen, daß Ihr Isländer willig mitmacht. Führen Sie einen Strang auch ruhig mal zwischen den Beinen durch und üben Sie mit Ihrem Pferd, diese ungewohnte Berührung zu dulden. Wenn geradeaus alles schon gut klappt, führt Ihr Helfer das Pferd in Wendungen, wobei es jeweils außen die Stränge an den Beinen fühlt. Lassen Sie sich für diese ersten Schritte viel Zeit und wiederholen Sie immer wieder, bis Ihr Isländer das nicht mehr aufregend findet. Lange Spaziergänge sind hierzu gut geeignet. Als nächstes gewöhnen Sie Ihr zukünftiges Fahrpferd an Lärm von hinten. Mit einer Aluminiumschaufel bewaffnet, hängen Sie sich an die Stränge und lassen probeweise die Schaufel auf Asphalt oder Pflaster schleifen. Das Geräusch ist lauter, als jede Kutsche es später sein wird. Wenn Ihr Pferd sich ängstigt, heben Sie die Schaufel an und beruhigen es. Anschließend lassen Sie wieder die Schaufel schleifen, usw. Die Grundlage für ein nervenstarkes Fahrpferd haben Sie damit gelegt. ?
Erst wenn alles gut funktioniert und oft geübt ist, ersetzen wir das Reithalfter durch ein Fahrkopfstück mit Fahrleinen. Sicherheitshalber können Sie einen Führstrick zusätzlich anhängen, dafür benötigen Sie einen dritten Helfer. Während ein Helfer die verlängerten Stränge hält und sich mitschleppen läßt, greifen Sie nun die Fahrleinen und fahren das Pferd vom Boden aus in allen bisher beschriebenen Übungen. Danach ist der Zeitpunkt gekommen, den hinter dem Pferd an den Strängen gehenden Helfer durch eine Schleppe zu ersetzen, z.B. einen Autoreifen. Benutzen Sie als Schleppe niemals Gegenstände, die zu Verletzung führen könnten, wie eine alte Egge oder ähnliches.
Alle bisherigen Übungen werden erneut absolviert. Wichtig sind Wendungen. Große Zirkel, Achten und immer wieder anhalten und anziehen. Das Pferd soll nach dem Anhalten nicht rückwärts gehen. Achten Sie darauf unbedingt und geizen Sie auch jetzt nicht mit Lob!
Wahrscheinlich ist Ihr Treiben nicht unbeobachtet geblieben und die ersten selbsternannten Experten werden fragen, warum das denn alles so lange dauert. Denken Sie daran, daß Sie mit Ihrem Pferd arbeiten und lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen! ?
Viel Spaß! Martin Peters, Trainer A-Fahren

